{"id":341,"date":"2013-02-05T13:53:03","date_gmt":"2013-02-05T13:53:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bear-family.de\/blog\/?p=341"},"modified":"2013-02-05T13:53:03","modified_gmt":"2013-02-05T13:53:03","slug":"honoring-a-legend-a-tribute-to-cowboy-jack-clement-by-colin-escott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bear-family.de\/bear-family-records-blog\/2013\/02\/05\/honoring-a-legend-a-tribute-to-cowboy-jack-clement-by-colin-escott\/","title":{"rendered":"In Anerkennung einer Legende &#8211; Eine Ehrung f\u00fcr Cowboy Jack Clement von Colin Escott"},"content":{"rendered":"<p><em>Give Me Flowers While I&#8217;m Living<\/em><em> <\/em>, ein alter Pop-Song, den Countrys\u00e4nger von der Carter Family bis zu Flatt &amp; Scruggs \u00fcbernommen haben, h\u00e4tte der Grundgedanke f\u00fcr <strong>\u201aIn Anerkennung einer Legende \u2013 eine Ehrung f\u00fcr Cowboy Jack Clement&#8216;<\/strong> sein k\u00f6nnen. Die Ehrung fand am 30. Januar 2013 an einem fr\u00fcheren Heimatort der Grand Ole Opry, dem War Memorial in Nashville, statt und war derart \u00fcberschw\u00e4nglich, dass man meinen k\u00f6nnte, man sei auf einer Trauerfeier. Stattdessen hielt der Cowboy Einzug als Vorhut einer Polka Band und sa\u00df sp\u00e4ter in einem Armsessel, w\u00e4hrend eine schwindelerregende Anordnung aus K\u00fcnstlern, Freunden und Honoratioren seine Songs und seine Lobeshymnen sang. Im Publikum sa\u00dfen Sam Phillips&#8216; langj\u00e4hrige Lebensgef\u00e4hrtin Sally Wilbourn und sein Sohn Jerry zusammen mit Scotty Moore und dessen Frau. Manager, Repr\u00e4sentanten von Schallplattenfirmen, Songwriter und Journalisten erschienen im \u00dcberfluss. Der gesamte Erl\u00f6s kam Clements Lieblingswohlt\u00e4tigkeitsorganisation zu Gute, die sich um die medizinische Versorgung von Musikern k\u00fcmmert, die schwere Zeiten durchleben.<br \/>\n<!--more-->Es ist ziemlich wohlbekannt, dass Clement k\u00fcrzlich etliche Schicksalswenden durchlebte. Sein Studio, das Cowboy Arms Hotel and Recording Spa, wurde durch ein Feuer im Juni 2011 teilweise zerst\u00f6rt. Ende letzten Jahres erkl\u00e4rten ihm die \u00c4rzte, er leide an Leberkrebs im Endstadium. Noch immer ist er Gastgeber seiner Satellitenradio-Show auf Sirius-XM. Doch es ist kein Geheimnis, dass seine mentale Scharfsinnigkeit in seinem zweiundachtzigsten Lebensjahr nachl\u00e4sst. <em>&#8222;Wenn alles versagt,&#8220;<\/em> erz\u00e4hlt Clement gerne, <em>&#8222;versuch&#8217;s mal mit Gl\u00fcck.&#8220;<\/em> Doch an diesem Punkt wird&#8217;s mehr als nur Gl\u00fcck brauchen, um den Cowboy zu retten.<br \/>\nEinige erz\u00e4hlten Geschichten. <strong>Allen Reynolds<\/strong>, der sp\u00e4ter Garth Brooks produzierte, erkl\u00e4rte, wie Jack zu dem Namen &#8218;Cowboy&#8216; kam, eine Geschichte, die leider zu lang ist, um hier wiedergegeben zu werden. <strong>Dickey Lee<\/strong> sagte, Clement sei wie Moses und habe seine Leute von Memphis \u00fcber Beaumont nach Nashville gef\u00fchrt, ihn und Reynolds eingeschlossen. Produzent <strong>Jim Rooney<\/strong>, viele Jahre Augenzeuge der Ereignisse im Country Arms, hielt eine lange Rede. <strong>Peter Guralnick<\/strong> zog Parallelen zwischen Clement und seiner Muse, William Shakespeare. Jene, die nicht pers\u00f6nlich anwesend sein konnten, schickten Videobotschaften so wie <strong>Pr\u00e4sident Bill Clinton, Marty Stuart, Bono von U2<\/strong> (Clement produzierte einen Teil des U2-Albums &#8218;Rattle And Hum&#8216;), Produzent <strong>Rick Rubin<\/strong> (der Johnny Cashs sp\u00e4te, wiederbelebte Karriere federf\u00fchrend begleitete) und die Schauspieler <strong>Ted Danson, Mary Steenburgen, John C. Reilly<\/strong> und <strong>Dennis Quaid<\/strong>. Die Schauspielerin <strong>Connie Britton<\/strong>, zurzeit der Star der zur besten Sendezeit ausgestrahlten Soap-Opera &#8218;Nashville&#8216; auf ABC, verlas einen Brief von <strong>Michelle Obama<\/strong>. Ein filmischer Beitrag der heutigen Teenager-Prinzessin <strong>Taylor Swift<\/strong> traf einen unwirklichen Ton. Bemerkenswert war die Abwesenheit von Don Williams, der von Clement aus der Obskurit\u00e4t geholt und bis zum Starruhm gef\u00f6rdert worden war. Offensichtlich konnten entweder Williams oder Clement nicht auf den Groll verzichten, in dem sie auseinander gegangen waren. Und es fiel auf, dass Jerry Lee Lewis weder pers\u00f6nlich noch per Film anwesend war. Dabei k\u00f6nnte er immer noch in Louisiana rumh\u00e4ngen, h\u00e4tte es Clement nicht gegeben.<br \/>\nNahezu jeder Beitrag war auf einen Song beschr\u00e4nkt, den Clement entweder geschrieben, produziert oder verlegt hatte. <strong>Shawn Camp<\/strong> und <strong>Billy Burnette<\/strong> legten los mit Billy Rileys <em>Red Hot. <\/em>Clement war mit Rileys Tonb\u00e4ndern zu Sun gekommen und setzte sie gewinnbringend f\u00fcr einen Job f\u00fcr sich selbst und einen Vertrag f\u00fcr Riley ein. <strong>Del McCoury<\/strong>, Star des Bluegrass, sang <em>It&#8217;ll Be Me<\/em>, jenen Song, den Clement f\u00fcr Jerry Lee Lewis schrieb. Wahrscheinlich geb\u00fchrt <strong>John Prine<\/strong> der Preis des Abends f\u00fcr seine Gesang\/Gitarre-Version von <em>Ballad Of A Teenage Queen, <\/em>wobei er aus Clements Entwurf eine Ballade aus den Appalachen zauberte. Die Bluegrass-Musiker <strong>Tim O&#8217;Brien<\/strong> und <strong>Sam Bush<\/strong> spielten <em>Miller&#8217;s Cave <\/em>und <em>Dirty Old Egg-Sucking Dog. <\/em><strong>Dickey Lee<\/strong> interpretierte seine pers\u00f6nliche Pensionsr\u00fccklage <em>She Thinks I Still Care<\/em>, ein Song, der von Clement verlegt und von diesem George Jones ans Herz gelegt wurde. <strong>Charley Pride<\/strong>, der einzige afro-amerikanische Superstar der Country Music, dessen Karriere Beleg ist f\u00fcr Clements Eklektizismus, war der einzige auftretende K\u00fcnstler, der zwei Songs sang. <strong>Vince Gill<\/strong> interpretierte <em>Does My Ring Hurt Your Finger, <\/em>einen jener Songs, die Clement als Co-Autor f\u00fcr Pride geschrieben hat. <strong>Dan Auerbach<\/strong> von den <strong>Black Keys<\/strong> und das aufstrebende Nashville-Talent <strong>Nikki Lane<\/strong> harmonierten bei Clements freiz\u00fcgigstem Song, <em>Just Someone I Used To Know. <\/em><strong>Jakob Dylan<\/strong> sang <em>Waymore&#8217;s Blues<\/em>, einen Song, den Clement f\u00fcr Waylon Jennings produziert hat. <strong>Rodney Crowell<\/strong> und seine fr\u00fchere Bandleaderin <strong>Emmylou Harris<\/strong> harmonierten bei <em>Dreaming My Dreams With You, <\/em>einem Song von Allen Reynolds, den Clement f\u00fcr Waylon produziert hat. <strong>Kris Kristofferson<\/strong> kam auf die B\u00fchne, schaute zu Clement und sagte<em>. &#8222;Alles, was mir in meinem Leben passiert ist, verdanke ich Jack.&#8220; <\/em>Dann sang er <em>Big River<\/em> zusammen mit W.S. Holland an der Snare Drum. <strong>Buddy Miller, T-Bone Burnett<\/strong> und <strong>John Hiatt<\/strong> sangen zum Abschluss <em>I Guess Things Happen That Way<\/em> und <em>Amanda<\/em>. <em>&#8222;Jack Clement ist kein Mitglied der Country Music Hall of Fame? Was &#8230; f\u00fcr &#8230; ein &#8230; <\/em><em>Sch&#8230;!\u201d<\/em> sagte Burnett abschlie\u00dfend.<br \/>\nBis zum Schluss wusste niemand, ob Clement selbst auf die B\u00fchne kommen w\u00fcrde. Letztendlich, etwas unsicher, trat er auf. Er sa\u00df etwas wackelig auf einem Barhocker und nahm eine Gitarre. <em>&#8222;Und jetzt?&#8220;,<\/em> fragte er. <em>&#8222;Entspann Dich!&#8220;,<\/em> rief jemand aus dem Publikum, indem er eins von Clements bekannten Zitaten nachplapperte. Mit ber\u00fchrender Gebrechlichkeit sang Clement <em>When I Dream<\/em>. Bei <em>Good Hearted Woman, Gone Girl <\/em>und <em>Brazil <\/em>gewann er an Kraft und mit <em>No Expectations<\/em> von den Rolling Stones (<em>&#8222;Ich erwarte nicht, dass ich noch einmal davonkommen werde&#8220;<\/em>) kam er zum Ende. Damit brachte er den Saal zu Standing Ovations. Jeder im Publikum wusste, dies w\u00fcrde der letzte Blick auf den Cowboy sein.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<em><\/em><strong>JACK CLEMENT: Everybody Likes A Nut (Jeder mag Verr\u00fcckte)<br \/>\n<\/strong>Martin Hawkins und Colin Escott<br \/>\nIm Gegensatz zu den meisten anderen Musikern, die f\u00fcr Sun Records gearbeitet haben, kennt man Jack Henderson Clement eher aus der Zeit nach seinen Jahren bei Sun, als aus der Bl\u00fctezeit des Rockabilly. Clement wird seit mehr als sechs Jahrzehnten als \u00e4u\u00dferst talentierter Musikproduzent und Musiker, der gelegentlich unter eigenem Namen Aufnahmen macht, und als echtes Original allseits gesch\u00e4tzt. Man nennt ihn den &#8218;Musikanten&#8216; oder auch &#8218;Cowboy&#8216;. Seinen Ruf hat er sich vor allem in der Country Music erarbeitet. Er war es, der Charley Pride und Don Williams entdeckte und deren Musik einem weltweiten Publikum n\u00e4her brachte. Er stand im Fokus der &#8218;alternativen&#8216; Musiker in Nashville. Zwischen 1956 und 1958 spielte Clement als Songwriter, Studioingenieur und musikalischer Katalysator eine wichtige und doch zugleich untergeordnete Rolle bei Sun Records. In dieser Zeit stritt er sich permanent mit Sam Phillips. Clement wollte den Sun-Sound weiterentwickeln; er sollte &#8218;musikalischer&#8216; klingen. Es mag durchaus sein, dass Johnny Cash ohne die Mitwirkung von Jack Clement niemals den Durchbruch und gewaltigen Erfolg im Popgesch\u00e4ft erreicht h\u00e4tte.<br \/>\nJack Clement kam am 5. April 1931 in Whitehaven, Memphis, zur Welt, wo er bis 1948 lebte, um sich dann f\u00fcr vier Jahre bei den U.S. Marines zu verpflichten. Zu Hause mochte er alle Arten von Musik, besonders jedoch die Rundfunk\u00fcbertragungen von Roy Acuff und Merle Travis. Die Zauberk\u00fcnste von Travis auf der Gitarre lehrten ihn, dass Musik entweder einfach oder kompliziert sein konnte, dass sie vor allem jedoch gut sein musste. Zweitklassiges tolerierte er zu keiner Zeit, auch dann nicht, wenn die einfachsten Rocker mit drei Akkorden aufgenommen wurden. Merle Travis hat er nicht &#8218;live&#8216; erlebt; doch er ging zu Smilin&#8216; Eddie Hills &#8218;High Noon Roundup&#8216;, einer Show, die jeden Tag im Schaufenster eines Kaufhauses in Memphis stattfand und \u00fcber den Radiosender WMC ausgestrahlt wurde. Er schloss sich der Zuschauermenge vor dem Kaufhaus an und h\u00f6rte Hill, Harmonica Frank, Slim Rhodes, Wayne Raney &amp; The Delmore Brother und vor allem die Louvin Brothers mit ihrem hellen Harmoniegesang und den traurigen Liedern aus dem Hill Country. Die Marinebasis, bei der Clement stationiert war, lag am Stadtrand von Washington, D.C. Hier erlebte er gegen Ende 1948 erstmals Bluegrass Music. <em>&#8222;Ich verliebte mich sofort in das f\u00fcnfsaitige Banjo<\/em>&#8222;, erinnerte er sich. <em>&#8222;Ich musste mir eins besorgen und sofort anfangen, zu \u00fcben.&#8220;<\/em> Schon bald war er gut genug, um mit Roy Clark &#8211; der sp\u00e4ter ein Superstar der Country Music werden sollte, zu jener Zeit allerdings einen festen Musikerjob in einem Club namens &#8218;The Famous&#8216; in Washington hatte &#8211; Duette zu spielen. Samstagabends fuhr er mit Scotty Stonemans Band oft runter nach Maryland. Scotty war die tragende S\u00e4ule der bekannten Stonemans. Er selbst spielte Fiddle, an der Mandoline, dem Banjo und am Bass unterst\u00fctzt von Jack Clement, Buzz Busby und Jimmy Stoneman. Der Dobrospieler Ralph Jones rundete die Besetzung ab. Clement erinnert sich an Jones als einen der seiner Meinung nach besten Oldtime Country-Musiker. 1952 kehrte Jack kurzfristig nach Memphis zur\u00fcck. Doch schon bald war er zusammen mit Buzz Busby auf dem Weg nach Wheeling in West Virginia, wo die beiden als <em>&#8222;so eine Art Bluegrass-Comedy auftraten, \u00e4hnlich wie Homer &amp; Jethro&#8220;. <\/em>Ebenfalls zu dieser Zeit spielte Jack in Baltimore und Boston und machte seine ersten Aufnahmen. <em>&#8222;Das war 1953. Wir spielten bei einer Radioshow in Baltimore, als Hawkshaw Hawkins&#8216; Manager, Aubrey Mayhew, uns anbot, f\u00fcr seine &#8218;Hayloft Jamboree&#8216; auf WCOP in Boston aufzutreten. Dort trafen wir auf James Daliano, einen ber\u00fchmten Waldhornbl\u00e4ser, der erkl\u00e4rte, er wolle uns f\u00fcr das Sheraton-Label aufnehmen. Daliano war der Besitzer, doch er lie\u00df Aubrey die Firma leiten. Wir nahmen meine ersten beiden ver\u00f6ffentlichten Songs auf, &#8218;I Can&#8217;t Say Nothing At All&#8216; und &#8218;I Think I&#8217;ll Write A Song&#8216;. Sie stammten von Buzz und Jack, und wir spielten sie im Stil von Webb Pierce.&#8220;<\/em><br \/>\nDa Sheraton Records nur im Nordosten vertrieben wurden, passierte nicht viel. Schlie\u00dflich wurde Jack des Duos \u00fcberdr\u00fcssig. Schon ansatzweise &#8218;verr\u00fcckt&#8216;, trat er einer hawaiianischen Band in Washington bei, um 1954 wiederum in Memphis aufzutauchen. In jenem Jahr antwortete er auf eine Stellenanzeige. Die Arthur Murray School of Dancing auf der Main Street suchte einen Praktikanten f\u00fcr den Beruf des Tanzlehrers. Er bekam den Job. Gleichzeitig ging er zur Universit\u00e4t in Memphis, um Englisch zu studieren.<br \/>\nAn Abenden und Wochenenden spielte er mit einer vom Western-Swing beeinflussten Country-Band, die von seinem Freund, dem Lastwagenfahrer Slim Wallace, geleitet wurde. Als sie im Eagles Nest in Memphis auftraten, \u00fcberbr\u00fcckte ein junger Elvis die Pausen. Die Dixie Ramblers von Wallace spielten regelm\u00e4\u00dfig in einem Club in Paragould in Arkansas. Eines Nachts auf der R\u00fcckfahrt planten Jack und Slim ihren Einstieg ins Musikgesch\u00e4ft. Slim steuerte die meisten der 450 Dollar bei, die sie ben\u00f6tigten, um ein altes Magnacord-Tonbandger\u00e4t von DJ &#8218;Sleepy Eyed John&#8216; zu kaufen. Jack richtete in Slims Garage sein erstes Studio ein. Die Garage war an dem Fernwood Drive, und so nannten sie das Label Fernwood.<br \/>\nDie erste Fernwood-Platte gibt es nicht. Es sollte <em>Trouble Bound<\/em> von Billy Riley werden, dem wilden Typen aus Arkansas. Nachdem Jack Clement mit den Aufnahmen fertig war, brauchte er jemanden, der die Songs von Tonband auf Platte \u00fcberspielte. Auf Empfehlung von Bill Fitzgerald von Music Sales Distributors ging er zu Sun Records. Sam Phillips h\u00f6rte Clements Band, auf dem Riley <em>Trouble Bound<\/em> sang, und bot sowohl Jack als auch Billy Riley einen Job an. Am 15. Juni 1956 ging Clement zu Sun. Sein Interesse an Fernwood reduzierte sich auf die Nutzung der Sun-Einrichtungen, um Master zu erstellen, und um dem Nummer-Eins-Hit <em>Tragedy<\/em> von Thomas Wayne Echo hinzuzuf\u00fcgen. Diese Aufnahme war bei Hi Records entstanden, da das Garagenstudio noch immer nicht fertiggestellt war. <em>&#8222;Sam Phillips hat sich immer gewundert, wie sie dieses Echo hinbekommen hatten&#8220;, sagte Jack mit einem Grinsen. &#8222;Doch ich wusste, man brauchte daf\u00fcr nur ein paar Minuten. Warum also sollte ich es ihm erkl\u00e4ren?&#8220;.<\/em><br \/>\nDie Frage, ob es wirklich Sam Phillips war, der die Entwicklung des Sun-Sounds kontrollierte, ob er wirklich &#8218;der Typ&#8216; war, oder ob er schlichtweg nur Gl\u00fcck hatte, beantwortet Jack Clement ohne jeden Zweifel. <em>&#8222;Sein ganzer fr\u00fcher Erfolg war ausschlie\u00dflich Sams eigener Verdienst. Elvis, Carl, Cash. Meine Aufgabe war die Entwicklung des Cash-Sounds und der von Bill Justis und Charlie Rich. Im Gegensatz zu Sam wollte ich Dinge musikalischer machen. Doch Sam verstand etwas, von dem ich damals keine Ahnung hatte. Er verstand etwas vom &#8218;Gef\u00fchl&#8216; in der Musik. Ich war an Maschinen und verbesserten Aufnahmetechniken interessiert. Sam liebte leere, hohle und fette Sounds; doch er wusste ein oder zwei Dinge, die ich nicht kannte. Er lie\u00df mich das tun, was ich f\u00fcr richtig hielt. Doch er behielt die absolute Kontrolle \u00fcber alles, was ver\u00f6ffentlicht wurde. Roy Orbison war der erste K\u00fcnstler, den er mir \u00fcbertrug. Ich nahm &#8218;Rockhouse&#8216; mit Roy auf, eine gute Sache. Doch Roy mochte die begrenzten M\u00f6glichkeiten im damaligen Sun-Studio nicht.&#8220;<\/em><br \/>\nJack verbrachte viele Stunden mit verschiedenen Musikern, die er besonders mochte. Er erinnert daran sich mit offensichtlichem Vergn\u00fcgen. <em>&#8222;Nach &#8218;Home Of The Blues&#8216; bekam ich \u00a0Johnny Cash von Sam. <\/em><em>Sonny Burgess. Er war ein guter Musiker, doch er passte nicht wirklich zu einem Groove; dasselbe mit Conway Twitty, dessen Platten mich noch nie \u00fcberzeugt haben. Dann Ernie Chaffin und Mack Self, beides ausgezeichnete Countrys\u00e4nger&#8220;. <\/em>Aus Jack Clements Sicht klangen die Platten auf Sun nicht &#8218;musikalisch&#8216; genug. Jack war verantwortlich f\u00fcr den Erfolg von Cash im Popgesch\u00e4ft und f\u00fcr etliche Experimente mit Begleits\u00e4ngern und Steelgitarren-Sounds. Was er an Sun wirklich mochte, das war zun\u00e4chst die F\u00fclle an talentierten Musikern und, zweitens, die entspannte Atmosph\u00e4re. Er konnte tun und lassen, was er wollte. Er konnte die ganze Nacht an einer Session arbeiten, er konnte nebenan in Taylor&#8217;s Cafe Songs wie Cashs <em>Guess Things Happen That Way<\/em> schreiben oder gar ein Badezimmer im Abh\u00f6rraum des Studios bauen. Eines Tages erz\u00e4hlte er Sam, er k\u00f6nne f\u00fcr ein paar hundert Dollar ein B\u00fcro f\u00fcr Barbara Barnes, die sich um Promotion k\u00fcmmerte, bauen. Also sagte er Sessions ab und begann mit den Holzarbeiten.<br \/>\nAu\u00dferdem verbrachte er Zeit damit, Freunden bei konkurrierenden Firmen beim Mastern ihrer Aufnahmen zu helfen und an seinem eigenen musikalischen Sound als K\u00fcnstler zu arbeiten. Jack Clements Sound war Country, doch es war nicht der Sun-Sound. Sein Sound war akustisch mit klaren H\u00f6hen anstelle des matschigen Basssounds bei Cash. Clements Freund Jimmy C. Wilson hatte bei der Entwicklung geholfen. Jack sagt: <em>&#8222;Wilson war ann\u00e4hernd so verr\u00fcckt wie ich. Er war ein bisschen durchgeknallt. Er lebte in ein paar Zimmern \u00fcber Taylor&#8217;s Cafe, und er konnte gro\u00dfartig spielen, wenn er in der richtigen Stimmung war. Er hielt einen Waschb\u00e4ren als Haustier, den er mit runterbrachte und am Klavier ankettete. Oben in seinen Zimmern baute er alte Gewehre auseinander und neu wieder zusammen und steckte einmal das Zimmer in Brand. Bald darauf feuerte er da oben eine Rakete ab, ein selbst gebasteltes Teil, worauf hin sie ihn rausschmissen. Er ging nach Kalifornien und heiratete die Tochter von Nudie, dem bekannten Schneider&#8220;.<\/em><br \/>\nIm Februar 1957 machten sich Clement und Wilson plus Waschb\u00e4r auf den Weg zu den RCA Studios in Nashville. Sie engagierten den Bassisten Bob Moore und nahmen vier Songs auf. Mit <em>Ten Years<\/em> waren sie am meisten zufrieden, eine leichte, gef\u00e4llige Country-Ballade, eine heroische Geschichte, die dem Song ein besonderes Gef\u00fchl verlieh. Das ist der Stil von Jack Clement, den er im Oktober bei der Sun-Aufnahme von <em>Black Haired Man<\/em> erneut umsetzte, eine schnelle, rhythmische Weiterentwicklung des Cash-Beats, eine klasse Ballade von einem Revolverhelden und eine ziemlich erfolgreiche Platte. <em>Wrong<\/em>, die B-Seite, ist leichter Country-Pop zum Mitsingen mit markanter akustischer Gitarre von Jack.<br \/>\nAnfang 1959 verlie\u00df Jack Sun Records. Zur\u00fcck lie\u00df er eine Reihe von Produktionen, die sich millionenfach verkauft hatten. Die Erl\u00f6se aus seinen Verlagstantiemen nutzte Jack, um Ausr\u00fcstung zu kaufen und Summer Records auf der Main Street in Memphis zu gr\u00fcnden. Mit Ausnahme des grauenhaften neuen Songs namens <em>Motorcycle Michael<\/em> war Summer ein Reinfall. Clement blieb jedoch gesch\u00e4ftst\u00fcchtig und spielte mit Produktionen f\u00fcr Pepper Records (Tommy Tuckers <em>Return Of A Teenage Queen<\/em>) und f\u00fcr Echo Records herum, eine Firma, die er mit Stan Kesler und Clyde Leoppard gegr\u00fcndet hatte und f\u00fcr die er ein Studio auf der Manassas Avenue eingerichtet hatte. Im Herbst 1959 hatte Jack all sein Geld sinnlos ausgegeben und, mit seinen eigenen Worten, <em>&#8222;beschlossen, ich m\u00fcsste wohl arbeiten gehen.&#8220;<\/em> Er rief Chet Atkins in Nashville an und wurde als j\u00fcngster Produzent in der Geschichte von RCA eingestellt. In der Folgezeit produzierte er Del Wood und bildete Stars wie Jim Reeves aus, die vielleicht seine Songs aufnehmen w\u00fcrden.<br \/>\nNach Clements erstem Abschnitt in Nashville ging er nach Beaumont, Texas, um mit dem Musikverleger Bill Hall zu arbeiten. Dort machte er George Jones den sp\u00e4teren Nummer-Eins-<em>Hit She Thinks I Still Care<\/em> schmackhaft, arrangierte <em>Ring Of Fire<\/em> f\u00fcr Johnny Cash und produzierte den Millionen-Pophit <em>Patches<\/em> f\u00fcr Dickey Lee, der ihn &#8218;Cowboy Jack&#8216; nannte. W\u00e4hrend dieser Zeit schrieb er ein paar Songs f\u00fcr Johnny Cash, darunter <em>Everybody Loves A Nut<\/em> und <em>The One On The Right Is On The Left<\/em>. 1965 ging er nach Nashville zur\u00fcck und wurde zum ortsans\u00e4ssigen Freak \u2026 einen Titel, den er noch immer stolz tr\u00e4gt. Sein gr\u00f6\u00dfter Coup war der Vertrag mit Charley Pride. Doch er schloss weitere Vertr\u00e4ge mit Townes Van Zandt, den Stonemans und vielen anderen politisch links von der Mitte stehenden K\u00fcnstlern. Charley Prides erste Session zahlte er aus eigener Tasche und bot sie anschlie\u00dfend den Firmen in der Stadt an. Es war alles andere als einfach. <em>&#8222;Nach der ersten Session machte die Nachricht die Runde, dass irgendein Idiot einen schwarzen Countrymusiker aufnehmen w\u00fcrde. Das Studio war brechend voll mit der H\u00e4lfte der Musikbranche in Nashville, die miterleben wollte, wie ich einen Trottel aus mir machen w\u00fcrde.&#8220;<\/em> Schlie\u00dflich ergriff Chet Atkins die Gelegenheit und brachte <em>Snakes Crawl At Night<\/em> auf RCA heraus. Pride und Clement schickten sich an, die meist gekauften K\u00fcnstler auf RCA zu werden.<br \/>\nMit dem Geld aus den Charley Pride-Verk\u00e4ufen richtete er ein Studio auf dem Belmont Boulevard neben Shelby Singletons wiederhergestellten Sun Records ein. Dort betrieb er Jack Music Publishing und gr\u00fcndete ein Plattenlabel, JMI. 1970 nahm er dort eine der erfolgreichsten Platten des Jahres auf, Ray Stevens mit <em>Everything Is Beautiful<\/em>. Ein paar Jahre sp\u00e4ter unterzeichnete Don Williams einen Vertrag bei JMI. Clement f\u00fchlte sich betrogen, als sich Williams aus der Vereinbarung herausmogelte, um bei ABC zu unterschreiben.<br \/>\nDann kaufte er das gro\u00dfe alte Haus von Pat Boones Gro\u00dfmutter und richtete unter dem Dach ein Studio ein, das er &#8218;ein Live-Studio, ohne Stellw\u00e4nde und Kopfh\u00f6rer, ohne Metronom und mit einem Mischpult im Aufnahmeraum mit den Musikern&#8216; nannte. Einiges von seinem Geld steckte er in Spielfilme und verlor eine Menge mit dem Horror-Klassiker &#8218;Dear Dead Delilah&#8216;. Doch er steuerte einen wunderbaren Werbespruch bei \u2013 &#8218;Du zahlst f\u00fcr den ganzen Sitz, doch Du benutzt lediglich die Kante.&#8216;<br \/>\nSeit den Siebzigerjahren wurde Clements neu benanntes Cowboy Arms Hotel and Recording Spa zum Hotspot f\u00fcr Nashvilles aus dem Gleichgewicht geratenen Country. Er produzierte &#8218;Dreaming My Dreams&#8216;, das viele f\u00fcr das beste Album von Waylon Jennings halten. 1978 nahm Jack sein erstes Album unter eigenem Namen auf. Er lizenzierte &#8218;All I Want To Do In Life&#8216; an Elektra. Man mag meinen, ein Mann habe gute Gr\u00fcnde, wenn er 25 Jahre f\u00fcr ein Album braucht. <em>&#8222;Es dauerte eine Weile, bis ich mit dem Rhythmus auf dem Album zufrieden war&#8220;,<\/em> erkl\u00e4rte er, ohne mit der Wimper zu zucken. Die LP lieferte Jack Clements Musik in reinster Form mit einem rhythmischen Sound, gest\u00fctzt auf Liebeslieder, akustische Country Music, den Revolverheld-Balladen, den Outlaw-Hymnen und dem alten \u00fcber 25 Jahre gereiften Sun-Sound. Es ist ein wohltuend anders klingendes und clever geschneidertes Album. Die meisten St\u00fccke sind herausragend, doch keines kommt an <em>Gone Girl<\/em>, das sp\u00e4ter von Johnny Cash aufgegriffen wurde, und den John Prine-Song <em>There She Goes <\/em>heran. Pride wurde zu einem der vielen verschrobenen Sch\u00fctzlinge und Gef\u00e4hrten, mit denen Clement im Verlauf der Jahre gerne Zeit verbrachte. Die Zahl derjenigen, die im legend\u00e4ren Recording Spa abh\u00e4ngen wollten, wuchs st\u00e4ndig. 1988 schlie\u00dflich bat die Popband U2 Jack, das Album &#8218;Rattle And Hum&#8216; zu produzieren. Clement hatte noch nie von der Band geh\u00f6rt, doch er machte es einfach. Jahre sp\u00e4ter, im Jahre 2005, dokumentierte die Kult-DVD &#8218;Shakespeare Was A Big George Jones Fan&#8216; das Leben und Wirken des Jack Clement. Viele seiner ber\u00fchmten Freunde und exklusives, privates Filmmaterial aus dem Cowboy Arms-Archiv sind zu sehen.<br \/>\nSein zweites eigenes Album mit dem Titel &#8218;Guess Things Happen That Way&#8216; ver\u00f6ffentlichte Jack 2004 auf Dualtone, eine Demonstration der einzigartigen Welt von Cowboy Jack, ein Projekt, an dem er bis zur letzten Sekunde herum gewerkelt hat, hier einen Gesangspart neu einspielte, dort ein Kazoo hinzuf\u00fcgte und mit der gesamten Reihenfolge bis zum Schluss jonglierte, um schlie\u00dflich eine Geschichte zu erz\u00e4hlen, wie nur es vermag. Das Album pr\u00e4sentiert die &#8218;Cowboy&#8217;s Ragtime Band&#8216;, eine hervorragende Gruppe alter Kumpane, Kollegen und super Musiker. Die Songs bilden eine weitere Kombination aus Clements Klassikern, neu und alt, und Songs, die er liebte, geschrieben von Freunden, die er kannte. Jack sagt: <em>&#8222;Ich denke einfach dar\u00fcber nach, was der Song braucht und wie es gemacht werden m\u00fcsste. Fast jede erfolgreiche Platte, die ich jemals produziert habe, war deshalb erfolgreich, weil sie anders klang als alles, was man damals kannte. Ich mag die Musikbranche, weil sich niemand an Deine Flops erinnert. Und wenn Du einmal etwas richtig gemacht hast, dann hast Du es ein f\u00fcr alle Mal begriffen.&#8220;<\/em><br \/>\nDiese Dauerhaftigkeit kann allerdings auch bedrohlich wirken. Ein im Juni 2011 durch eine fehlerhafte Verdrahtung im Dachgescho\u00df ausgel\u00f6ster Brand zerst\u00f6rte Teile des Cowboy Arms und eine Menge von Jacks wertvollstem Besitz. Clement lie\u00df alles wieder aufbauen und h\u00e4lt dort noch immer jeden Tag Hof, zeigt auf seine Gibson Jumbo an der Wand hinter seinem Schreibtisch und erz\u00e4hlt jenen, die es h\u00f6ren wollen, dies sei die Gitarre, auf der er bei Cashs Hitfassung von <em>Big River<\/em> gespielt habe. W\u00e4hrend seiner bewegenden Trauerrede anl\u00e4sslich von Sam Phillips&#8216; Tod im Jahre 2003 konnte er kaum seine Tr\u00e4nen unterdr\u00fccken, als er von einigen n\u00e4chtlichen Telefonaten berichtete. Nach weiteren zehn Jahren und mittlerweile im neunten Lebensjahrzehnt produziert Jack Clement keine Wellen mehr wie einst. Doch er kann noch immer auf eine bemerkenswerte Karriere zur\u00fcck blicken und er wei\u00df, dass er Spuren hinterlassen hat<em>. &#8222;Es gibt einen Haufen Leute, die mich f\u00fcr ein Genie halten,&#8220;<\/em> erz\u00e4hlte Jack einmal. <em>&#8222;Doch das macht mich nicht zum Genie. Man muss schon ziemlich gewieft sein, all die Leute dazu zu bringen, so etwas zu sagen.&#8220;<\/em><br \/>\n<em>\u00a0<\/em><br \/>\n<em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Give Me Flowers While I&#8217;m Living , ein alter Pop-Song, den Countrys\u00e4nger von der Carter Family bis zu Flatt &amp; Scruggs \u00fcbernommen haben, h\u00e4tte der Grundgedanke f\u00fcr \u201aIn Anerkennung einer Legende \u2013 eine Ehrung f\u00fcr&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v19.9 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>In Anerkennung einer Legende - Eine Ehrung f\u00fcr Cowboy Jack Clement von Colin Escott - Bear Family Records News Blog<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.bear-family.de\/bear-family-records-blog\/2013\/02\/05\/honoring-a-legend-a-tribute-to-cowboy-jack-clement-by-colin-escott\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"In Anerkennung einer Legende - Eine Ehrung f\u00fcr Cowboy Jack Clement von Colin Escott - Bear Family Records News Blog\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Give Me Flowers While I&#8217;m Living , ein alter Pop-Song, den Countrys\u00e4nger von der Carter Family bis zu Flatt &amp; 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